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  • “Glück ist nicht gut für die Wirtschaft. Wären wir glücklich mit dem, was wir haben, warum sollten wir dann noch mehr wollen? Wie verkauft man Antifaltencreme? Indem man den Leuten Angst vor dem Altern macht. Wie bringt man die Leute dazu, eine bestimmte Partei zu wählen? Indem man ihnen Angst vor Einwanderung macht. […] Wie bringt man sie dazu, ein neues Smartphone zu kaufen? Indem man ihnen das Gefühl gibt, sie würden sonst den Anschluss verpassen. Ruhe wird zum revolutionären Akt: glücklich sein mit einer Existenz ohne Upgrades. […] Und wenn wir genau hinsehen, ist die Welt der Waren und Werbung nicht das wirkliche Leben. Das Leben sind die anderen Dinge. Das Leben ist das, was übrig bleibt, wenn man das ganze Zeug wegnimmt oder zumindest für eine Weile ignoriert. Das Leben sind die Leute, die dich lieben. Niemand würde wegen eines iPhones am Leben bleiben. Was zählt, sind die Menschen, die wir mit dem iPhone erreichen.” – Matt Haig.

 

Beim Lesen musste ich diesen Absatz markieren. Auch wenn ich ein Buch über Depression zitiere, eine Krankheit, von der derzeit 5% der Bevölkerung in Deutschland von 18-65 Jahren betroffen sind, sieht sich wohl jeder in diesen Sätzen. Bei mir zumindest haben sich diese Worte ins Gehirn gebrannt.

Über Depression und Suizid wird nicht viel gesprochen, es sind Tabuthemen. Auch, weil viele nicht genug darüber wissen. In meinem Psychologie-Studium habe ich mich viel mit Depression beschäftigt. Als eine der häufigsten Erkrankungen in der entwickelten Welt, nahm dieses Thema natürlich einen großen Teil in unserem Lehrplan ein. Wir haben viel auswendig gelernt, haben Patienten und Betroffene in Kliniken kennen gelernt und unzählige Aufsätze und Klausuren darüber geschrieben. Trotz all der Fakten, die ich gelernt und Erfahrungen, die ich gemacht habe, fiel es mir sehr sehr schwer, wirklich zu verstehen, was es bedeutet, an einer Depression zu leiden. Wirklich zu verstehen, wie es sich anfühlt und wie schwer der Weg zur Genesung ist. 

Und wie oft habe ich schon Sätze gehört wie “man muss sich doch nur zusammenreißen”, “er/ sie hat doch alles, um glücklich zu sein”, “so feige wäre ich nie” – ein Beweis, dass viele die Krankheit nicht verstanden haben, auf sie sogar genervt oder aggressiv reagieren; eine Krankheit, vor der niemand gefeit ist und jeden treffen kann. Ein Grund mehr, aufzuklären und über Tabus zu sprechen. Aufklärung, das mache ich hier heute nicht. Dafür bin ich nicht Experte genug, oder kann nicht über Erfahrungen schreiben.

Was ich euch aber heute vorstellen möchte, ist ein Buch von Matt Haig, sein neustes Werk “Gründe am Leben zu bleiben”, das ich schon auf Instagram und gestern auf dem Blog angedeutet habe. Matt Haig schafft es, authentisch, mit viel Gefühl, aber auch mit einem gewissen Humor, einen Blick in seine Erlebnisse mit der Krankheit Depression zu geben. Wie schon erwähnt, weiß ich in der Theorie viel über das Thema. In der Theorie. Mit Matt Haigs Buch habe ich nun seine eigene fremde Welt kennen gelernt. Es ist kein Ratgeber, sondern ein Mutmacher für Erkrankte und Angehörige gleichermaßen und das mit viel Leichtigkeit und Humor – bei einem so schweren und ernsten Thema. 

Meine guten Gründe am Leben zu bleiben, habe ich bereits auf Instagram beschrieben. Was sind eure? Kennt ihr vielleicht das Buch schon, oder habt davon gehört?

PS: Auf YouTube will ich bald mal meine liebsten Hörbücher vorstellen, gibt es irgendwelche bestimmten Genres, die euch interessieren?

* In Zusammenarbeit mit dem DTV Verlag

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English:

“Happiness is not good for the economy. If we were happy with what we have, why would we want more? How to sell anti-wrinkle cream? By making the people fear aging. How do you influence people to choose certain party? By making them afraid of immigration […] How do you get people to buy a new smartphone? By giving them the feeling that they would otherwise miss out. Peace has become a revolutionary act: be happy with one’s existence without upgrades. […] and if we look closely, we see that the world of buying and selling and advertising is not real life. Life is the other things. Life is what is left when the all the stuff is taken away or, at least for a while, ignored. Life is the people that love you. No one would live for an iPhone. What matters is the people we reach with that iPhone. ” – Matt Haig.

While reading I had to highlight this paragraph. Even though I am quoting a book about depression, a disease that affects 5% of the population between 18-65 years old in Germany, everyone can relate to these sentences. For me, at least, these words really hit home.

Depression and suicide are not often talked about, they are very taboo subjects. But not only that, many people simply do not know enough about it. During my psychology studies I spent a lot of time studying depression. As one of the most common diseases in the developed world, it was of course a major part in our curriculum. We learned a lot by heart, met with people who suffer from depression, and wrote countless essays and exams about it. Despite all the facts that I learned and first-hand experience that I have, I found it very difficult to really understand what it means to suffer from depression. Really to understand how it feels and how difficult the road to recovery is.

I can’t count how many times I’ve heard sentences such as “you just have to pull yourself together”, “he/she has everything needed to be happy”, “I was never such a coward” – this is evidence that many do not understood the disease and some even react annoyed or aggressive to someone suffering from depression. Depression is a disease from which nobody is immune and can affect anyone. This is one more reason to clarify and to talk about taboos. I won’t attempt to explain depression here today since I am not enough of an expert and or can’t write about personal experiences.

What I do want to present to you today is a book by Matt Haig, his latest work “Reasons to stay alive,” which I have already posted about on Instagram and on the blog yesterday. Matt Haig manages to give an authentic and informative, but also humorous, look at his experiences with the illness. As already mentioned, in theory I know much about the subject. In theory. Matt Haig’s book introduced me to his other world. It is not a guide, but an encouragement to other people suffering and approaches such a heavy and serious issue with ease and humor.

I have already described my good reasons to keep on living on Instagram. What are yours? Have any of you already read or heard of the book?

PS: Soon I will show some of my favorite audio books on YouTube, are there any particular genres that interest you?

* In collaboration with the DTV Publisher

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6 Kommentare
  1. Ich finde es mutig und schön, dass du auf dieses wichtige Thema aufmerksam machst. Noch immer müssen sich Depressive rechtfertigen für ihre Krankheit. Ich habe vor ein paar Tagen einen Artikel gelesen über eine Studie, die untersucht hat, ob durch den Germanwings-Absturz die Diskriminierungen psychisch kranker Menschen zugenommen haben. Die Antwort war nein. Was sich im ersten Moment toll anhört, liegt laut einer anderen Studie aber wahrscheinlich daran, dass Diskriminierungen und Vorurteile in der Bevölkerung relativ stabil sind – die untersuchte Kampagne habe keinen nennenwerten Unterschied gebracht. 🙁 Das ist sehr frustrierend.

    Meine Gründe, am Leben zu bleiben, sind in erster Linie meine Tochter und ihr Vater, meine Interessen wie beispielsweise Politik und Dokus und die Neugier, immer mehr Wissen in mich aufzusaugen. Ach, und wenn im Fernsehen einer der so unterirdischen deutschen Herzkinofilme läuft, bin ich auch ganz zufrieden. 🙂

    1. Vielen lieben Dank! Ich finde auch oft, dass eher Betroffene darüber im Internet schreiben. Ich finde, dass es aber alle angeht, das Thema und kein Tabu-Thema oder ein Grund zur Diskriminierung sein soll. Deshalb habe ich mich für diese Aktion entschieden.

      Wie schön, deine Gründe!!! Familie und Freunde sind einfach das wichtigste!!! Und die kleinen Dinge im Leben <3

  2. Super, dass du auch so ein ernstes Thema besprichst. Mit dem Zitat am Anfang konnte ich mich so gut identifizieren. So traurig, dass unsere Gesellschaft einfach so auf diese Panikmache getrimmt ist. Aber es stimmt, einer glücklichen Gesellschaft kann man einfach nicht so gut weißmachen, dass es ihnen an bestimmten Dingen mangelt und sie noch das Produkt xy unbedingt benötigen.

    Liebe Grüße
    Lena | http://www.healthylena.de