Montag, der 1. Oktober 2018
Warum wir es uns nicht leisten können, unpolitisch zu sein
“Warum wir es uns nicht leisten können, unpolitisch zu sein” – ich würde von mir behaupten, dass ich relativ unpolitisch bin. Ich habe zwar eine klare Meinung, gehe auch auf Demonstrationen, aber viel setze ich mich in Sachen Politik jetzt nicht aktiv ein. Ich weiß aber, dass eine “Mir ist Politik egal”-Haltung einfach nicht ok ist, dass wir uns das nie, aber spätestens heute einfach nicht leisten können. Auf heylilahey gibt es generell wenige politische Themen, höchstens ein bisschen, wenn es in Richtung Tier- und Umweltschutz geht. Einfach weil ich oft nicht weiß, wie ich bestimmte Themen in Worte fassen soll.

Die Fashion Changers haben aber jetzt vor ein paar Tage die “Blogger Gegen Rechts”-Kampagne ins Leben gerufen, um eben den Raum für Gespräche, Aktionen und Austausch zu öffnen. Auch auf Seiten, die sich wie ich nicht hauptsächlich mit Politik beschäftigen. Warum? Um eben einfach mal eine größere und breitere Diskussion darüber zu eröffnen, wie wir mehr machen können, als einfach nur auf einen “Like” oder “Share” Button zu klicken. Weil wir selber aus eigener Erfahrung wissen, dass viele sich schon gerne mehr engagieren würden, nur nicht wissen wie.

Ich weiß, wie wichtig es ist, sich für unsere Zivilgesellschaft und unsere Demokratie, einzusetzen, spätestens jetzt, wo Nazis stolz durch die Straßen marschieren (und das nicht 1929, sondern jetzt…), wo Rechtsextreme terroristische Vereinigungen bilden, und individueller, systematischer und institutioneller Rassismus immer noch herunter gespielt wird.

Was können wir also tun? Ich möchte heute direkt konkret werden und meine Recherchen mit euch teilen. Dies ist kein allumfassender Blogpost, eventuell erwähne ich die wichtigsten Punkte nicht, oder ihr stimmt mir Null überein, oder oder oder. Gebt mir dann gerne konstruktives Feedback. Wie gesagt, das ist einer meiner ersten “politischen Posts”. Hier nun meine Aktionspunkte, alle Quellen dazu unten in der Linkliste:

Bilden und aufklären

Lest euch in das Thema ein, was überhaupt Rassismus ist, was die verschiedenen Ebenen von Rassismus sind, über Alltagsrassismus, direkter Rassismus, systematischer, etc. Ich empfehle euch die (auf jeden Fall unvollständige!!) Linkliste unten für einen ersten Einstieg, wenn ihr neu in dem Thema recherchieren möchtet.

Lernt mehr über Rassismus im Alltag

Überlegt selber einmal, welche Vorteile ihr in euch tragt, welche ihr in eurer Umgebung direkt spürt und wie diese euch beeinflussen. Nur so könnt ihr lernen, auf welcher Ebene ihr direkt euer Verhalten ändern und euch engagieren könnt. Überlegt euch, wie ihr vielleicht Rassismus selbst erlebt habt (gegen euch persönlich, oder eine Person in eurem Umfeld). Selbst kleine Witze, Alltagsrassismus oder ähnliches ist wichtig zu erkennen, da sich diese zu größeren Problemen und Ungerechtigkeiten akkumulieren können. Sprecht mit Personen, denen Rassismus bereits widerfahren ist über das Thema. Hört ihnen zu, nehmt ihre Bedenken ernst. Der letzte Punkt ist mir sehr wichtig! So oft wird von Personen, gegen die sich Rassismus nicht wendet, die Bedenken z.B. von Personen, die regelmäßig Alltagsrassismus erleben, nicht ernst genommen. So kann keine Entwicklung und kein Diskurs entstehen!!

Macht euch eurer Privilegien bewusst

Seid ihr so wie ich vielleicht derzeit selbst von Rassismus nicht direkt betroffen? Überlegt euch wirklich genau, ob ihr euch nicht vielleicht in einer privilegierten, weißen Position befindet. Der Begriff “White Privilege” z.B. bedeutet, dass Personen allein aufgrund der Herkunft, Hautfarbe etc. mehr Möglichkeiten und Vorteile erfahren, als POC (People of Color). Das heißt nicht, dass sie Leute mit dieser “White Privilege” nicht gegen Rassismus engagieren können. Im Gegenteil, als Person mit dieser “White Privilege” sollte man erst recht aktiv werden und sich dem Problem bewusst werden. 

Das heißt auch, dass man sich auch als “Aktive” dieser Position bewusst sein sollte. Das heißt, dass man z.B. nicht nur Artikel von Personen mit weißer Hautfarbe teilen sollte, sondern auch von Personen, die direkt von Rassismus betroffen sind (ich hoffe, ich drücke mich hier korrekt aus). Ich weiß, dass unser Titelbild unten bereits sehr “weiß” ist, wir sind einfach noch eine kleine Gruppe, aber genau deshalb spreche ich es an und verlinke Artikel auch von anderen Personen, die vielleicht ein bisschen mehr Vielfalt reinbringen. Für manche kann “White Privilege” ein SEHR unangenehmes Thema sein. Selbst im Gespräch mit Familienmitgliedern darüber habe ich bemerkt, wie viele sofort in die Defensive gehen, anstatt sich erst einmal ausführlich über das Thema zu informieren, den Begriff wirklich zu verstehen und mal versuchen, People of Color zu verstehen, obwohl man nicht in ihren Schuhen steckt, sie direkt mal zu fragen und ohne Wertung zuzuhören. Was ich damit sagen will: Egal, wie ihr zu dem Thema steht, lest euch unbedingt in die Thematik ein. Unten habe ich ein paar Linktipps.

Macht den Mund auf

Wie gesagt, selbst gegen Alltagsrassismus sollte man vorgehen, da dies nur die Anfänge sind. Macht Leute auf ihre blöden Witze aufmerksam, sagt ihnen, dass das nicht ok ist, dass das nicht lustig ist. Es geht darum zu zeigen, dass Personen mit ihrem rassistischen Sprüchen und “Witzen” nicht einfach so “davon kommen”. Rassismus darf nicht “normal” werden, sondern egal ob online oder offline, wir müssen zeigen, dass wir Rassismus und rechtes Gedankengut nicht akzeptieren.

Aktiv werden

Likes und Shares sind wichtig, um Aufmerksamkeit auf Artikel und Aktionen zu lenken, doch wirklich etwas bewegen können wir nur mit echten Handlungen. Wie oben erwähnt ist der erste kleine Schritt auch im Alltag, bei Freunden, auf Arbeit und in der Familie den Mund aufzumachen, so schwer es einem vielleicht auch fällt. Weiter waren schon immer Demonstrationen ein wichtiges Instrument (hier eine Liste von Vreni der nächsten wichtigen Demos in Berlin und Hamburg). Ihr könnt auch Vereinen beitreten / unterstützen, die sich für Antirassismusarbeit einsetzen. Hier ist ein gofundme-Projekt mit einer Linkliste vieler Organisationen, die Antirassismusarbeit leisten: Gofundme gegen Rassismus. Ihr könnt auch gezielt Jugendarbeit leisten, wenn ihr euch in dem Umfeld bewegt, da Antirassismusarbeit auch immer eine langfristige Sache ist. 

Das Thema ist wie gesagt ein langfristiges Thema und wir können nicht von heute auf morgen das Thema Rassismus und rechtes Gedankengut lösen. Es ist ein fortlaufender Prozess, seid euch dies bewusst. Haltet die Diskussion am laufen, informiert euch immer weiter, macht weiterhin euren Mund auf, teilt weiterhin interessante Artikel, Aktionen etc. Denkt langfristig!

Hier wir gesagt die erwähnte Linkliste. Sie ist nur eine mini-mini-mini-kleine Recherche von mir und deshalb natürlich keine allumfassende, vollständige Liste:

 

Ein paar spannende Artikel auf Englisch:

 

Außerdem habe ich vor Kurzem ein Video auf YouTube entdeckt mit einem Jugendarbeiter aus Sachsen, das unglaublich aufschlussreich war:

 

Bei diesen BloggerInnen findet ihr in den nächsten Tagen weitere Beiträge zu #bloggergegenrechts: 

Alf-Tobias Zahn von Grossvrtig
Laura Mitulla von The Ognc
Jenni Hauwehde von Mehr Als Grünzeug
Bina Nöhr von Stryletz
Vreni Jäckle von Jäckle & Hösle
Maren Teichert von Minza Will Sommer
Ester Rühe und Anna Kessel von Die Konsumentin
Nina Lorenzen von Pink&Green
Phoebe Nicette von Phoenomenal
Franziska Schmid von Veggie Love
Johanna Misfeldt von Mintundmeer
Mia Marjanovic von heylilahey
Peppermynta Mag
Sophia Hoffmann, vegane Köchin und Bloggerin
Jana Braumüller von Not Another Woman Mag

WIE IHR BLOGGER GEGEN RECHTS UNTERSTÜTZEN KÖNNT:

Verbreitet die Blogsposts, Artikel usw. in den sozialen Medien. Zeigt euren Freund*innen, dass wir wieder politischer werden müssen. Erhebt eure Stimme nicht nur online, sondern vor allem auch in der realen Welt da draußen. Kommentiert, liked und teilt, was das Zeug hält.

Fotocredits:
Alf-Tobias Zahn, fotografiert von © René Zieger
Phoebe Nicette, fotografiert von © Lydia Hersberger
Vreni Jäckle, fotografiert von © Anna Steinert
Franziska Schmid, fotografiert von © Grit Siwonia

Titelfoto: Elyssa Fahndrich auf Unsplash

Zweites Foto: Kyle Glenn auf Unsplash

 

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4 Comments

  • nic sagt:

    Das Video ist ja sehr interessant. Wir finden mit Brexit hier daß das “rassistische Element” so oft von Fußballhooligans in England kommt. Die haben sich scheinbar seit Jahren organisiert, tatsächlich auch auf internationaler Ebene, weil niemand dem so richtig Aufmerksamkeit geschenkt hat. In GB war das ganz genau so daß sie sich jahrzehntelang vorgebetet haben daß es ja so ein weltoffenes und tolerantes Land sei, aber als das im Referendum getestet wurde stellte sich heraus wieviele rechtsextreme Rassisten bisher einfach nur den Mund gehalten hatten. Für AfD = Ukip. Und die Politik orientierte sich postwendend an Ukip um “populär” zu bleiben…weil ihnen das ja nicht passieren könne daß sie in den Faschismus abrutschen, sie haben ja schließlich völlig alleine den 2, Weltkrieg gewonnen…
    Die Alliierten, und v.a. Russland werden dabei nur äußerst beiläufig bis gar nicht erwähnt.
    So hatten wir einen Wahlkampf in dem Wähler befragt wurden ob sie es vorziehen würden wenn das Parlament nichts mit den Brexit-Entscheidungen zu tun hätte und das vom Kabinett und v.a. Theresa May allein entschieden würde weil das einfacher wäre – die Wähler mußten die Politiker daran erinnern daß sie sich als parlamentarische Demokratie bezeichnen und daß ihr Vorschlag “Faschismus” genannt wird,.
    Hier in Schottland werden immer mehr Menschen aktiv weil sie sehen wohin das führt und nichts damit zu tun haben wollen – sie werden dafür von der englischen Presse und Politik (zu der hier auch Labour und die Konservativen in Schottland gehören, die bekommen ihre Befehle aus London) zu Nationalisten abgestempelt (weil sie sich so darum sorgen das schottische Erdöl zu verlieren, die Menschen interessieren sie nicht) und als Extremisten beschimpft, dabei ist es genau spiegelverkehrt. Eine bewährte Taktik ihres “Freundes” in den USA.
    Wir hoffen auf einen immer engeren Schulterschluß der schottischen Gesellschaft gegen all das und ich bin am 6. Oktober in Edinburgh auf der Demo, u.a. aus diesem Grund. Wie dereinst für “Make poverty history” und “Not in my name” (=Irakkrieg). Das stille Kämmerlein reicht heutzutage nicht mehr aus. #ichbinhier

  • Jana sagt:

    Mia, ich finde es großartig, dass nun dein erster, politischer Artikel kam. Und du sprichst super wichtige, interessante Sachen an. Vor allem weil du auf eines der essentiellen Probleme eingehst: Rassismus. Danke dafür!

  • Anonymous sagt:

    Ich finde es sehr gut, dass jetzt auch ein politischer Post kommt! 🙂 Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du angesprochen hast: dass man sich selber irgendwie als politisch sieht, eine eigene Haltung hat, aber irgendwie die passende Ausdrucksform fehlt, um das auch passend nach außen zu kommunizieren. Umso wichtiger finde ich daher eure Aktion. Sehr interessant finde ich auch das “blue eyes experiment”, dazu gibt es auch die sehr empfehlenswerte zdf-Doku “Der Rassist in uns”, die zeigt, wie schnell Vorurteile und othering entstehen.

  • Micha sagt:

    Vielen Dank für den tollen Artikel und dass du bei der Aktion mitmachst!! Ich kann noch sehr den Podcast “halbe Katoffl” empfehlen, bei dem Leute zu Wort kommen, die in Deutschland aufgewachsen sind und Migrationserfahrung haben (dann weiß man auch wem man z.B. folgen kann, im den eigenen Instafeed aufzumischen). Das Buch “Americanah” und den TED Talk “a single story” Von Chimamanda Ngozi Adichi fans ich auch ganz toll! Liebe Grüße Micha (weniger ist fair)