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Als Weltenbummlerin ist die Reiselust eigentlich nie gestillt. Jesse und ich haben zwar bereits eine Weltreise gemacht, aber die hat unser er dazu angefacht, noch mehr Orte und Länder besuchen zu wollen. Ich weiß aber auch, dass ständiges Reisen nicht das nachhaltigste für unseren Planeten ist. Deshalb habe ich versucht, die letzten Jahre meine Reisen und Flüge stark zu reduzieren.

Ich habe letztes Jahr z.B. schweren Herzens Blogger-Reisen nach Ibiza, Mexiko, Khao Lak/ Thailand und nach Tirol abgesagt (Tirol ging nur mit dem Flugzeug von der Zeit her). Dafür habe ich den Zug nach Paris genommen, nach Amsterdam, sowie mehrmals nach München und Wien.

Dieses Jahr sind wir für Familienbesuch und für die Hochzeitsplanung im März nach Serbien geflogen (lest meinen Belgrad Travel Guide hier). Zurück wollte ich aber endlich mal den Zug ausprobieren. Leider wird zur Zeit zwischen Belgrad und Budapest auf den Bahngleisen gebaut, so dass die Strecke recht kompliziert war. Die gute Nachricht: Ab nächstem Jahr ist dann die direkte Verbindung zwischen Belgrad und Budapest mega schnell, nur 3,5 Stunden!

Unsere Reise und alle Infos teile ich heute mit euch, aber auch, wie die Verbindung dann nach den Bauarbeiten aussieht!

Recherche der Streckeninfos

Ich finde, es gibt wenige gute Seiten, auf denen man nach länderübegreifenden Zugreisen recherchieren kann. Meist muss man mehrere Seiten miteinander kombinieren, oder es werden nicht alle Optionen, z.B. Nachtzüge, angezeigt. Letztens habe ich aber endlich Seat61 wieder entdeckt. Die Seite haben wir auf unserer Weltreise viel verwendet, aber ich habe sie komplett aus den Augen verloren.

Auf Seat61 findet ihr tausende Infos zu Bahnreisen auf der ganzen Welt! Die Infos sind manchmal detaillierter als die offiziellen Bahn-Unternehmensseiten. Seat61 ist keine Reiseagentur und es steckt auch kein Unternehmen dahinter, sondern einfach ein Blogger, dessen Hobby sehr groß gewachsen ist.

Dort haben wir auch alle Infos über die Baustelle zwischen Belgrad und Budapest gefunden und konnten damit unseren Trip und somit auch den Umweg detailliert planen.

Von Belgrad nach Budapest – Planung und Ticketkauf (mit Bauarbeiten)

Wir wussten dank Seat61, dass es erst ab Novi Sad einen Zug nach Budapest gibt (ab nächstem Jahr dann natürlich auch ab Belgrad). Wir haben auf srbvoz die genaue Verbindung rausgesucht, auch die Zugnummer und Uhrzeit. Die Uhrzeit war nämlich dann ein paar Minuten anders als auf Seat61. Das war auch wichtig für den Ticketkauf, da die Frau vom Infoschalter am Belgrader Hauptbahnhof keine Ahnung hatte, dass ab Novi Sad der Zug fährt. Beim Ticket-Verkauf wussten aber alle Bescheid.

Theoretisch könnt ihr auch das Ticket direkt am Novi Sad Bahnhof kurz vor der Fahrt kaufen, der Zug ist eigentlich nie ganz voll. Wir wollten aber auf Nummer sicher gehen und haben das Ticket in Belgrad gekauft. Dafür sind wir zur Beograd Centar Station. Etwas komisch zu erreichen. Dort sind wir dann den Schildern bis zur Empfangshalle gefolgt (Untergeschoss) und haben da unsere Tickets gekauft. Wahrscheinlich geht das auch irgendwo in der Innenstadt in einer Reiseagentur. Wir waren aber eh mit dem Auto dort unterwegs. Auf Seat61 findet ihr aber tatsächlich eine genaue Kontaktperson, der ihr schreiben könntet, wenn ihr unbedingt vorher Tickets kaufen wollt. Müsst ihr aber eigentlich wie gesagt nicht.

Von Belgrad könnt ihr dann einen Bus nach Novi Sad nehmen. Die Novi Sad Busstation ist direkt neben dem Hauptbahnhof Novi Sad, aber fragt natürlich vorher kurz nach. Ihr könnt die Tickets online kaufen (siehe wieder Seat61), oder direkt am Busbahnhof in Belgrad. Den erreicht ihr sehr gut vom Zentrum aus.

Ohne Bauarbeiten

Ansonsten nehmt ihr aber einfach einen Direktzug von Belgrad nach Budapest, easy peasy. Hoffentlich sind die Bauarbeiten wirklich bis zum Ende des Jahres beendet!

Kosten Belgrad – Budapest

Das Zugticket von Novi Sad nach Budapest hat uns pro Person circa 12 Euro gekostet. Wir haben einen privaten Transfer von Pancevo nach Novi Sad genommen, da es von da keinen Bus gab, der uns rechtzeitig nach Novi Sad bringen würde. Aber ein Bus von Belgrad nach Novi Sad kostet normalerweise circa 3,50 – 6 Euro.

Fahrterlebnis & Fahrtzeiten

Wir sind relativ früh morgens los nach Novi Sad und waren circa 10 Uhr am Hauptbahnhof Novi Sad. Der Zug nach Budapest ging um 10:57 Uhr also haben wir uns noch Nüsse und Eis geholt und ein paar Fotos am Bahnhof, mit seiner tollen Retro-Stimmung, gemacht.

Der Zug stand schon sehr früh am Bahngleis, also haben wir uns bereits um 10:30 Uhr in den Zug gesetzt und einen guten Platz gesichert. Voll war der Zug aber sowieso nicht. Pünktlich um 10:57 ging es dann auch schon los. 

Sogleich wurden aber unsere Dokumente überprüft und ehrlicherweise war das das Nervigste an der gesamten Fahrt. In Serbien wurden von allen Fahrgästen die Pässe oder Personalausweise dreimal überprüft, obwohl es weitere Zwischenhalte in Serbien vor der ungarischen Grenze gab. Ich glaube, das war eine bestimmte Sicherheitsmaßnahme, aber ich fühle mich bei so viel Polizeiaufkommen immer nicht so wohl. An einer Stelle kommt man auch an einer Mülldeponie vorbei, das war leider auch keine schöner Anblick.

Abgesehen davon war die Fahrt in Serbien sehr angenehm und schön. Man kommt sehr schnell mit den anderen Fahrgästen ins Gespräch und die Zeit verging für uns wie im Fluge, haha 😛

Pünktlich um 14:15 Uhr kamen wir dann an der Grenze am Kelebia Bahnhof in Ungarn an. Vorher gab es natürlich wieder eine Passkontrolle auf der Serbischen Seite. In Kelebia mussten wir im Zug bleiben, bis hier diesmal die Ungarische Seite unsere Pässe, aber auch unsere Koffer kontrolliert hatte. Nach der Kontrolle steigt man am selben Gleis einfach gegenüber in den ungarischen Zug. Das Ganze dauert aber nur 20-30 Minuten und um 14:45 Uhr ging es dann weiter nach Budapest.

Der Zug in Ungarn erinnerte mich an einen schicken, deutschen Regio-Zug, der aber im Gegensatz zu Deutschland starkes und zuverlässiges W-Lan hatte!

Und wieder pünktlich kamen wir dann kurz nach 18 Uhr am Budapest Keleti Bahnhof an. Wieder verging die Zeit sehr schnell, da ich im zweiten Zug mit W-Lan, aber auch endlich wieder mit EU-Netz, einfach Nachrichten geschrieben und Instagram-Stories hochgeladen habe.

Die Fahrt von Novi Sad nach Budapest hat also insgesamt 7 Stunden gedauert. Aufgrund des längeren Zwischenstopps an der Grenze und der Gespräche im Zug hat es sich auf jeden Fall viel kürzer angefühlt. Ab nächstem Jahr ist die Fahrtzeit viel kürzer und dann kann ich die Strecke auf jeden Fall empfehlen. Jetzt ist sie eher etwas für Abenteurer und wirklich determinierte Slow-Traveler, meiner Meinung nach.

24 Stunden in Budapest

Danach könnt ihr theoretisch direkt um 19:25 Uhr den Nachtzug nach Berlin nehmen, aber wir haben uns einen Tag für eine kurze Erkundung der Stadt genommen. Das könnt ihr alles hier nachlesen.

Nachtzug zurück nach Berlin

Am nächsten Tag ging es also erst für uns zurück nach Berlin. Wir hatten den Nachtzug bereits Wochen im Voraus gebucht (auf Oebb.at) und dabei auch ein Vierer-Abteil für uns beide alleine reserviert. Das ist natürlich viel teurer als ein normaler Sitzplatz oder ein Schlafplatz im Vierer-Abteil.

Um 19:25 Uhr war die Abfahrtszeit und wir waren bereits um 19:00 Uhr im Zug. Der Schaffner für unseren Wagen hat uns direkt begrüßt und unser Abteil gezeigt. Unsere Betten waren bereits ausgeklappt und frisch bezogen. Das Abteil war irgendwie recht groß, manche im selben Wagen waren schmaler, obwohl darin auch 4 Betten waren.

Wir haben ein Bett dann aber wieder runter geklappt, um noch ein bisschen auf der Sitzbank normal sitzen zu können.


Schnell mussten wir leider feststellen, dass die Netzstecker nicht funktionierten, sowie die Lüftung auch nur mittelmäßig. Wir konnten dann unsere Handys zum Glück im Abteil des Schaffners laden, da nur da die Stromstecker funktionierten. Die Lüftung war dann später auch ok.

Für alle Gäste gab es dann noch einen Frühstückszettel zum Ausfüllen. Veganes gab es aber nicht wirklich (außer Margarine). Es standen auch zwei Wasserflaschen mit Plastikbechern bereit. Diese haben wir nicht angerührt. Die Plastikbecher fand ich waren eine große Verschwendung. Wir hatten kein Waschbecken im Abteil, stattdessen zwei Kabinen mit Waschbecken, sowie zwei Toiletten auf dem Flur des Wagons.

Wir haben noch eine kleine Brotzeit gemacht, eine geladene Folge Netflix geschaut und sind dann zwischen 10 und 11 ins Bett. Ich hatte Ohrstöpsel dabei und habe deshalb wie ein Baby geschlafen! Das Ruckeln des Zugs war an einer Stelle am Anfang recht stark, aber dann hat es mich in den Schlaf gewogen. 

Jesse hat mich am nächsten Tagen auch wecken müssen, damit ich die Morgenstunden im Zug nicht verpasse. Jesse wusste, dass ich gerne Fotos machen wollen würde und mich auch lieber in Ruhe fertig mache und packe.

Gegen 7 Uhr kam dann das Frühstück, ich hatte mir aber noch etwas in Budapest eingepackt. Um 9 Uhr waren wir dann überpünktlich am Hauptbahnhof in Berlin.

Ich fand die Nachtfahrt sehr romantisch und angenehm. Erst war ich genervt, dass die Netzstecker nicht funktionierten und die Lüftung nur so semi lief, aber der Ärger war dann auch schnell wieder vorbei. Ich habe sehr gut geschlafen, aber ich empfehle wirklich Ohrstöpsel und wer will auch eine Schlafmaske. Natürlich haben wir unser Abteil nachts immer von innen abgeschlossen.

Kosten Nachtzug Budapest – Berlin

Der Nachtzug war leider ziemlich teuer. An sich ist das Ticket mit 29 Euro pro Person sehr günstig. Aber das ist nur für einen Sitzplatz! Wer ein Bett im Schlafabteil wünscht, der muss draufzahlen. Im 3er-Abteil zahlt man dann bereits 69 Euro. Wir haben relativ spät gebucht und wollten alleine im Schlafabteil sein, also haben wir 99 Euro pro Person gezahlt.

Vergleich Flug & Zug

Ein Direktflug von Belgrad nach Berlin dauert 1 Stunde und 50 Minuten. Die Zugfahrt von Belgrad nach Berlin dauert derzeit circa 24 Stunden. Ab nächstem Jahr dann nur 3,5 Stunden von Belgrad nach Budapest und dann je nach Verbindung noch einmal 12-14 Stunden. 

Schade, dass die Zugstrecke zwischen Berlin und Budapest so lange dauert. Zum Vergleich: Zwischen Berlin und München liegen circa 580 Kilometer und der ICE braucht mittlerweile nur noch 4 Stunden für diese Strecke. Zwischen Berlin und Wien liegen circa 660 Kilometer und es dauert 9 Stunden mit dem Zug. Zwischen Berlin und Budapest liegen circa 870 Kilometer und es dauert 12-14 Stunden mit dem Zug. Wir brauchen mehr Schnellzüge in Europa, dann würde eine Strecke zwischen Berlin und Budapest 6 Stunden dauern!

Schade auch, dass es viel kostengünstiger ist zu fliegen: 

Einen Direktflug von Belgrad nach Berlin bekommt nach bereits für 40 Euro pro Person. Ein Direktflug von Budapest nach Berlin gibt es bereits nur für 13 Euro!!! Da läuft gehörig was schief. Warum ich das hier so lang und breit ausführe? Weil ich zwar Slow Travel und nachhaltiges Reisen befürworte, es aber auch verstehe, wenn es aus Kosten- und Zeitgründen einfach nicht möglich ist aufs Fliegen zu verzichten. Es sollte aber einfach sein, stattdessen den Zug nehmen zu wollen. Es sollte mehr schnelle Zugstrecken geben und es sollte vom Preis her attraktiver sein, den Zug zu nehmen. Warum das aber alles schief läuft, könnt ihr auch hier ganz gut nachlesen.

Verpflegung auf unseren Zugreisen

Auf der Reise von Belgrad nach Budapest gab es kein Bordrestaurant oder so und im Nachtzug Budapest nach Berlin gab es nur ein Frühstück. Deshalb hatten wir uns auf beiden Strecken relativ viel an Essen eingepackt:

Von Belgrad nach Budapest gab es Obst und rohes Gemüse, einen Bohneneintopf und gefüllte Kartoffel-Pita (ein serbisches Gericht mit Blätterteig), Kekse, zweimal Sojamilch und Tee in der Thermoskanne. Vor der Fahrt hatten wir gut gefrühstückt und Dinner hatten wir, wenn auch recht spät für unsere Verhältnisse, in Budapest. Dazu hatten wir noch mindestens 3 Liter Leitungswasser eingepackt, in Metallflaschen und in einer großen 1,5L Plastikflasche wiederverwendet aus der Wohnung meiner Eltern.

Oben: Bohneneintopf und Kekse. Unten: To-Go aus Budapester Restaurants, sowie Obst & Gemüse.

Von Budapest nach Berlin haben wir wieder 3 Liter Wasser eingepackt und dafür auch die 1,5L Plastikflasche wieder aufgefüllt. Im Hotel konnten wir auch meine kleine Thermosflasche mit Tee füllen. Im Nachtzug gab es auch Tee. Für einen Abendsnack und mein Frühstück hatten wir noch einen veganen Kartoffel-Hackauflauf dabei (haben wir einfach in einem Restaurant in eine Lunchbox von uns gepackt) sowie zwei Stück Kuchen (auch im Restaurant bestellt und eingepackt). Das war auf jeden Fall mehr als genug! Wichtig war uns nur, genug zu trinken dabei zu haben, damit wir kein Wasser in Plastikflaschen kaufen müssen.

Habt ihr schon einmal eine Nachtzugfahrt gemacht? Wohin? Wie war es?

 

 

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2 Kommentare
  1. Liebe Mia, ich hab es ja schon auf Insta verfolgt, aber schön, das nochmal so toll aufbereitet zu lesen. Das macht echt Lust auf Slow Travel! Oft fehlt mir die Zeit dazu, muss ich ehrlich sagen. Dabei ist es eine tolle Art zu reisen! Ich bin mal mit dem Nachtzug von München nach Amsterdam gefahren und fand es super. Total gemütlich.
    Liebe Grüße,
    Ela

  2. Das war eine super Reisebeschreibung und Dokumentation – ich wünschte mir mehr davon im Netz und hoffe , du bleibst dran . Deinen Überlegungen zum Ausbau der Zugverbindungen kann ich nur zustimmen , es ist unverständlich das die Flüge so viel günstiger sein können .
    Ich wünsche dir viele schöne Reisen , bei bester Gesundheit und hoffe auf weiterhin schöne Reisebeschreibungen !
    Liebe Grüsse Bernhard