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Gemischte Gefühle – so ging es mir vor einer Woche bei der Rügenwalder Talkrunde in Berlin. Es war eine ziemlich große Runde aus Vegetariern, Veganern, Fleischessern, veganen YouTubern wie Mirella oder Pia von Pia Kraftfutter, Felix von Tomatolix, Veggie Instagrammerin Jana, Kathrin, sogar mit dem Chefredakteur vom Magazin “VEGAN für mich” und den Geschäftsführern von Rügenwalder Mühle. Das Thema war die Zukunft der Ernährung – und was Lebensmittelhersteller wie dieRügenwalder Mühle tun können, um gemeinsam mit anderen Herstellern und Konsumenten verantwortungsvoll, klimafreundlich und nachhaltig zu agieren. Der Fokus war also Diskussion, konstruktive Kritik und Feedback.

Ich verstehe, dass auch bei euch jetzt gemischte Reaktionen kommen, das habe ich bereits auf Instagram so mitbekommen. So geht es mir ja selbst, mehr dazu gleich. Ich war sehr, sehr skeptisch als ich die Anfrage bekommen habe und ich habe in der Vergangenheit bereits sehr viele Anfragen großer Unternehmen abgesagt, die mich als “grünes Aushängeschild” in ihrer Öko-Kampagne haben wollten. Bei dieser Anfrage hier stand aber von Anfang an der Diskurs und eben das gemeinsame Gespräch im Mittelpunkt und auch die Info, dass andere bekannte Veganer mit in dieser Runde sind, hat mich zum Teil überzeugt muss ich ehrlich sagen. Für mich ist es einfach wichtig, neben den Emotionen und den Ideologien auch größer zu denken. Um im Jahr 2050 mehr als 10 Milliarden Menschen ernähren zu können, brauchen wir große Player, die stark auf pflanzliche Ernährung setzen, Lebensmittelverschwendung drastisch reduzieren und in neue Technologien in der Landwirtschaft investieren (Quelle).

Ich kaufe weiterhin ausschließlich Bio, wenig verarbeitete Produkte, unterstütze am liebsten kleine Unternehmen und Marken, die bereits lange auf vegan und vegetarisch setzen, noch vor dem Trend, aber ich bin auch offen für einen Dialog und an so einem habe ich teilgenommen. Da ich danach sehr viel Feedback und Fragen bekommen habe, die ich nicht geschafft habe, alle einzeln zu beantworten, möchte ich heute für euch alles so gut wie möglich zusammenfassen. Ich habe zur Diskussionsrunde auch eure Instagram-Fragen mitgenommen und es wurden tatsächlich fast alle beantwortet.

Hier zunächst eure Fragen von Instagram: 

  • “Ei- warum so viel Ei, ist das nicht sogar schlimmer als Fleisch, weil so viele Küken bei der Eiproduktion sterben?”
  • “Ich kaufe Rügenwalder Mühle nicht, weil Massentierhaltung, wird sich hier was verändern?”
  • “Wenn es mit den veganen Produkten immer besser läuft. Gibt es dann weniger Fleischproduktion?”
  • “Wieso gibt es so wenig Bio Produkte?”   
  • “Warum nicht 100% vegan?”  
  • “Weiß das Unternehmen über die negativen Aspekte des Fleischkonsums Bescheid?”
  • “Gibt es eine Möglichkeit, das Plastik noch weiter zu reduzieren?” 
  • “Wie sieht die Produktion aus, ist vegan/ veggie von Fleisch eindeutig getrennt?” 
  • “Warum vegan? Trend oder Überzeugung?”
  • “Warum nicht mehr Produkte in vegan?”
  • “Regionalität? Wird auch wert darauf gelegt?”
  • “Woher kommen die vegan / veggie Produkte?”
  • “Langfristig geplant von der Fleischindustrie wegzugehen?”

 

 

Vorab zu den Geschäftsführern: Die beiden Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle Godo Röben und Lothar Bentlage kann man schon sehr unterschiedlich beschreiben und sie zeigen, dass sich Gegensätze anziehen. Bei Godo Röben merkte man wirklich, wie er die Themen Nachhaltigkeit und pflanzliche Produkte pusht, weil er in ihnen einfach aus Überzeugung die Zukunft sieht. Nicht nur aus ideologischen Gründen, sondern weil für ihn die Studienlage eindeutig ist. Seine Vision ist es, in 50 Jahren keine Tiere mehr töten zu müssen. Lothar Bentlage scheint da gerne mitziehen zu wollen, aber für ihn steht in absehbarere Zeit die wirtschaftliche Sicherung des Unternehmens im Fokus. Ein Zusammenspiel aus Ökologie und Ökonomie also, aus Kurzfristig und Langfristig. Und genau dieses Motto zog sich durch den gesamten Talk. Von ein paar Punkten war ich positiv überrascht und bei manchen bin ich leider skeptisch geblieben. Jetzt aber die Details:

Vorab ein paar Infos zur Rügenwalder Mühle: Das Unternehmen war 2014 der erste Wursthersteller, der auf vegetarische Kost setzte. Die Geschäftsführer sagten, dass sie sich deshalb an niemandem so richtig orientieren konnten, da es ihnen niemand vorgemacht hat. Und ihre Vision sei es auch definitiv, immer mehr pflanzlich basierte Produkte auf den Markt zu bringen. Sie arbeiten mit 100% Ökostrom, haben zum größten Teileigene Mitarbeiter als Testimonials, können eine sehr niedrige Mitarbeiterfluktuation vorweisen, bieten in der Verwaltung Home-Office und weitere moderne Arbeitsstrukturen an, bezahlen weit über dem Mindestlohn, halten Bienenvölker für den Bienenschutz, haben mit einem festen Kundenbeirat zusammengearbeitet und legen Wert darauf, dies auch weiterhin fortzuführen, indem die Talkrunde mit Kunden mindestens einmal im Jahr stattfindet. Außerdem lassen sich unter anderem von Vegan-Organisationen wie ProVeg und Utopia beraten. 

Motivation: Trend oder Überzeugung?

Die Motivation, vegetarische Produkte herzustellen, kam aus zwei Richtungen, aus Gründen der Ökologie und aus Gründen der Ökonomie. Die beiden Geschäftsführer haben vor fünf Jahren einfach eine Markt-Chance gesehen, aber auch erkannt, dass Veganismus & Co. kein Trend-Thema ist, sondern dass sich unsere Ernährungsgewohnheiten einfach ändern werden, auch langfristig. Godo Röben warf aber auch ein, dass sie auch so etwas ändern mussten im Business-Modell, einfach aus Gründen der Ethik und des Klimas. Godo Röben erklärte, dass z.B. 25% weniger Fleisch-Konsum das 16-20-fache an Klimaeinsparungen erzielen könnte im Vergleich zum Wechsel auf E-Mobilität.

Die letzten zwei Jahre wurde außerdem das komplette PR und Marketing-Budget nur für die Veggie Produkte ausgegeben. Wenn ihr außerdem mal auf die Webseite schaut, ist die komplette Startseite fast 100% voll von Veggie und Vegan-Produkten und -Themen.

Verpackung

Ihr hattet außerdem das Thema Verpackung und Plastik angesprochen. Das Unternehmen setzt derzeit auf 40-70% recyceltes Verpackungsmaterial, Kartonagen aus FSC zertifiziertem 100% Recyclingpapier. 100% recyceltes Verpackungsmaterial wäre optimal, daran arbeiten sie auch, ist aber aufgrund der Produktsicherheit und Hygienebestimmungen noch nicht möglich. An Zero Waste Lösungen, zum Beispiel an unverpacktem Direktverkauf an der Theke, arbeiten sie derzeit nicht und sehen dies als nicht praktikabel.

Inhaltsstoffe

Rügenwalder Mühle war so ehrlich und gab zu, zunächst in Eiern die perfekte Alternative zu Fleisch gesehen zu haben. Die Probleme, die die Eierproduktion mit sich brachte und weshalb selbst Vegetarier nicht zu den Produkten griffen, hatten sie anscheinend überhaupt nicht auf dem Schirm (was ich persönlich erschreckend finde, aber zumindest haben sie gelernt!). Aber dafür eine sehr, sehr gute Nachricht: Alle neuen vegetarischen Produkte sollen 100% vegan sein und die bestehenden vegetarischen Produkte werden auch Schritt für Schritt 100% vegan. Einige vegane Produkte gibt es schon oder wurden von Veggie auf Vegan umgestellt, wie z. B. das Mühlen Schnitzel.

Genauso lernte das Unternehmen auch die Problematik von Soja kennen und setzt deshalb 2019 verstärkt auf Soja aus Europa. In Zukunft möchten sie vermehrt auf heimische Lebensmittel setzen, wie Erbsen, Kartoffeln, Getreide und bestimmte heimische Bohnen.

Es wird außerdem vermehrt Rapsöl eingesetzt, als Ersatz für Speck & Co. – laut der Ernährungsberatern in der Talk-Runde ist dieses Öl zwar ein verarbeitetes Produkt, wie andere Öle auch, aber eines der hochwertigsten Fette, da es viele ungesättigte Fettsäuren enthält. 

Alle anderen Inhaltsstoffe sind nicht groß anders als die Inhaltsstoffe der Produkte mit tierischen Produkten. Es war vorher ein verarbeitetes Produkt (z.B. Leberwurst) und ist in der vegetarischen Version auch kein Grundnahrungsmittel, sondern auch ein verarbeitetes Produkt. 

Wie gesagt, Rügenwalder Mühle produziert keine Grundnahrungsmittel, sondern weiterhin verarbeitete Produkte, wie vorher auch, die man eher ab und zu isst. Sie sehen die Chance der Veggie- und Vegan-Produkte darin, dass es in der Familie z.B. mit dem Thema Veganismus am Tisch viel lockerer zum Austausch kommt, da eine Marke, die es oft am Brotzeittisch gibt, die die Eltern und Großeltern kennen und der sie vertrauen, nun auch tierleidfreie (vegane) Alternativen anbietet. 

Laut einer Umfrage von Rügenwalder Mühle haben 27% der Deutschen bereits einmal versucht weniger Fleisch zu essen, es dann nicht durchgehalten. Die beiden wesentlichen Gründe: 35% haben den gewohnten Fleischgeschmack vermisst und 32% hatten das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Quelle: https://www.ruegenwalder.de/veggie-iq-2016

Preisliche Differenz & Bio

Die vegetarischen und veganen Produkte sind teurer als die Fleischprodukte, was wir in der Runde kritisiert haben. Laut RM gestaltet der Handel die Ladeneinkaufspreise selber und RM kritisiert selbst, dass es im Fleisch-Sektor so ein niedriges Preis-Niveau gibt und das Tier so billig verkauft wird.Rügenwalder Mühle sieht sich aber insgesamt im höheren Preis- und Qualitätssegment. Aber die veganen Produkte müssen laut RM noch mehr im Mainstream ankommen, damit die Preise sinken.

Bio & Veggie: Laut der Geschäftsführer ist das Unternehmen sehr spät in das Bio-Geschäft eingestiegen. Auch im Bereich Veggie: Von ProVeg wurden sie zum Beispiel beraten, dass sie erstmal möglichst viele Menschen erreichen sollten. Voraussetzung dafür war ein nicht zu hoher Verkaufspreis und somit kam „Bio“ erst einmal nicht in Frage, da die Rohstoffe in Bio-Qualität einiges mehr kosten. Oftmals bekommen sie außerdem den Regalplatz in den Geschäften nicht und zwei große Bio-Läden haben Rügenwalder Mühle Bio-Produkte komplett ausgeschlossen. Ich habe das aufgenommen, weil viele von euch gefragt haben, warum sie so wenig Bio-Produkte rausbringen. Diese werden im Mainstream-Handel wenig gekauft und deshalb von RM weniger produziert und in der Nische kommt es nicht zur Platzierung. Mittlerweile haben sie sich im Veggie-/Vegan-Bereich etabliert und merken, dass immer mehr Konsumenten jetzt auch zu Bio greifen würden, trotz der preislichen Differenz. Nach und nach soll also mehr auf Bio gesetzt werden (der Schritt wird aber langsamer erfolgen, als zum Beispiel Veggie auf Vegan umzustellen). In der Produktion ist es für RM aber z.B. möglich bald auf 100% vegan umzustellen, wenn der Verbraucher mitzieht. Der Konsument ist also auch gefragt, die richtige Entscheidung zu treffen.

Trennung Veggie & Fleisch

Die Produktion von Fleisch- und Veggie-Produkten ist durch Schleusen und Chipkartensysteme streng getrennt. Im Verpackungsbereich sieht das genauso aus, bis auf kleinere Prozesse, bei denen es aber bereits um abgeschlossene Verpackungen geht.

Ich hatte dann auch gefragt, wie es um den Cashflow steht, also ob Gewinne im Bereich Veggie von Investitionen in der Fleischproduktion getrennt sind. Ehrlich gesagt wurde ich für meine Frage gefühlt etwas belächelt und die Fleischesser in der Runde verstanden mein Feedback dazu nicht wirklich. Ich glaube vielen Nicht-Vegetariern oder Nicht-Veganern ist es nicht bewusst, dass viele nicht zu Veggie-Produkten von Fleischproduzenten greifen, weil sie mit ihrer Kaufentscheidung nicht die Fleischproduktion querfinanzierten wollen. Bei Rügenwalder Mühle ist das derzeit aber auf jeden Fall ausgeschlossen, da sie weiterhin den Großteil der Gewinne in die Entwicklung von neuen, vegetarischen Produkten stecken und laut Lothar Bentlage die Fleischproduktion derzeit eher die Veggie-Sparte subventioniert. 

Fleischesser in der Talkrunde

Was ich auch spannend fand war, dass wir nicht nur Veganer oder Vegetarier vor Ort waren. Ich bewege mich eh ständig in einer Vegan-Blase. Meine Eltern sind Vegetarier, mein Verlobter ist Vegetarier fast Veganer und meine besten Freunde sind auch alle Vegan und meine Arbeit dreht sich fast nur um Bio-Vegan-Nachhaltige Themen, somit auch die Events, wo ich neue Leute kennen lerne. Ich will aber gerne wissen, was die Leute davon abhält oder gar abschreckt, signifikant weniger Fleisch oder vielleicht auch gar kein Fleisch zu essen. Was schon einmal positiv war, dass alle zustimmen konnten, dass die westliche Welt sehr viel weniger Fleisch essen sollte. Es gab aber zwei Punkte, die die Fleischesser sehr gestört hat, was mich überrascht hat:

  • Immer noch ist es anscheinend für Fleischesser ein Problem, wenn ein veganes Produkt “Wurst” oder “Salami” heißt. Da es um verarbeitete Produkte geht, auf denen auch vorne ganz groß Vegan oder vegetarisch steht, verstehe ich diese “Problematik” ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ein gutes Beispiel brachte Lothar Bentlage: Einer der Kritiker war Bierbrauer. Wenn man sich nun vorstellt, dass alkoholfreies Bier nicht so genannt werden würde, sondern “Hopfen-Saft”, dann kann man sich ja direkt vorstellen, wie erfolgreich es im Mainstream ankommen würde…
  • Ein anderes Problem: Vor der Diskussion haben wir uns alle vorgestellt und gesagt, warum wir Vegan oder Vegetarisch oder was auch immer essen. Wir Veganer haben oft gesagt, dass wir aus ethischen Gründen keine Tierprodukte essen, wovon sich anscheinend ein paar Fleischesser persönlich angegriffen gefühlt haben. “Heißt das dann, ich sei nicht ethisch??” – Zum einen finde ich es interessant, dass jemand eine persönliche Entscheidung direkt auf sich bezieht. Zum anderen ist meine Meinung, dass man ja schön und gut Fleisch essen kann, aber sich dann bewusst sein sollte, dass es für das Tierwohl und für die Zukunft des Planeten (und somit für die Zukunft der eigenen Kinder) eben nicht die moralisch und ethisch korrekte Entscheidung ist, insbesondere nicht in dieser Masse. Das sagen nicht irgendwelche Moralaposteln oder “Gutmenschen”, sondern zahlreiche renommierte, wissenschaftliche Studien.

 

 

Mein Fazit:

Ich weiß, die Kritik wird kommen. Ich habe bereits privat in Blogger-Kreisen Kritik für meine Zusammenarbeit mit Rügenwalder Mühle erhalten. Wie gesagt, sage ich Kooperationen mit großen Unternehmen meistens ab, wenn sie mir zu sehr nach Greenwashing und Bewerbung EINER Kampagne klingen, auch wenn diese sehr gut bezahlt waren. Ich bin also wirklich kritisch was solche Zusammenarbeiten angeht. Ihr seht ja nur, was ich publiziere, nicht, was ich alles absage. Ich habe die Diskussionsrunde aber besucht (und mir wurde auch eine Tagesgage sowie meine Arbeitszeit gezahlt, wie es bei einem Journalisten auch wäre. Zur Transparenz für euch erwähne ich das, aber ich wäre auch so hin), da ich wie gesagt dafür bin, die pflanzliche Ernährung aus der Nische rauszuholen, sie auch Menschen außerhalb meiner “Bubble” zugänglich zu machen, wir als Blogger auch vor Ort Druck machen sollten und weil ich finde, dass mehr große Unternehmen nachziehen sollten und die, die etwas ändern, konstruktives Feedback verdient haben, aber auch durch unsere Kritik weiter daran erinnert werden müssen, was das Ziel sein sollte.

Trend oder Überzeugung?

Auch wenn natürlich das ökonomische Überleben des Unternehmens für die Geschäftsführer im Vordergrund steht, so sehe ich nicht, dass die Veggie-Produktion nur als Trend erfolgt, sondern als nachhaltige und langfristige Umstellung des Business-Konzepts. Mir wurde das Zusammenspiel zwischen Ökologie und Ökonomie klar, und dass die Nachfrage des Konsumenten noch mehr steigen muss. 

Persönliche Erfahrung / Fleischersatzprodukte

Viele verstehen gar nicht, warum man überhaupt verarbeitete Produkte, egal ob vegan oder nicht vegan essen sollte. Ich persönlich esse hauptsächlich Vollwertkost, esse aber auch mal selten verarbeitete Produkte oder Fleischersatzprodukte. Ich sehe in diesen nicht Grundnahrungsmittel, sondern einfach Convenience Produkte, die ich persönlich zwischendurch ehrlich gesagt sehr gerne esse. Ich liebe z.B. veganen Crispy Chicken Burger, vegane Nuggets oder authentisch echte Burger (siehe mein Video auf YouTube). Ich mag hin und wieder einfach den Geschmack, es kommt aber selten auf meinen Tisch.

Und ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass Fleischersatzprodukte gerade beim Wechsel von Fleischesser auf Veggie unglaublich hilfreich sind. Der Mensch ist einfach ein Gewohnheitstier und wenn er jahrelang eine bestimmte Wurst liebt und bevorzugt, diese aber mit vergleichbarem Geschmack in Vegan genauso einfach und gesünder erhält, dann erfolgt auch schneller eine Ernährungsumstellung.

Meine Eltern sind zum Beispiel vor einigen Jahren Vegetarier geworden und ich sehe immer, wenn ich sie besuche, die Veggie-Produkte vonRügenwalder Mühle im Kühlschrank. Sie sind einfach zu bekommen (meine Eltern haben zum Beispiel keinen Bio-Laden in der Nähe…), preislich auch in Ordnung für meine Eltern und geschmacklich überzeugend. Ein Wurst-Unternehmen, das auch ein großes Vegan-Sortiment anbietet, ist außerdem auch eine Chance, am Familientisch die verschiedenen Geschmäcker friedlich zusammenzubringen und eben so einen Austausch wie in unserem Talk zu fördern.

Dilemma: Vegan-Produkte bei einem Wursthersteller kaufen

Zum einen stehe ich selber vor dem Dilemma, dass ich kein Fleischunternehmen unterstützen möchte. Ich kaufe aber auch vegane Bio-Produkte von Herstellern, die selbst eigene Fleischprodukte im gleichen Supermarkt verkaufen. Es wäre also etwas heuchlerisch von mir zu sagen, ich unterstütze NIE indirekt Fleischproduzenten. Mit der Kaufentscheidung für Rügenwalder Vegan-Produkte investiert man außerdem in ein Unternehmen, das als erstes mittelständisches Familienunternehmen im Bereich Wurstwaren den Umstieg auf fleischfreie Produkte gewagt hat. Und das MUSS die Zukunft sein, dass auch andere große Unternehmen den Vegan-Trend langfristig mitmachen, Vegan aus der Nische rausholen, fördern und ihren Kunden das gleiche Geschmackserlebnis nur tierleidfrei und klimaschonend bieten. 

Aber da der Umsatz in der Fleischproduktion von Rügenwalder Mühle bisher kaum merklich zurück ging, laut der Aussagen von Geschäftsführer Lothar Bentlage, bin ich leider noch kritisch. Ihr hattet ja gefragt, ob bei einem Erfolg der Veggie-Produkte weniger Fleisch produziert wird. RM macht zwar mittlerweile 30% Umsatz mit den Veggie-Produkten, hat dafür aber die Fleischproduktion nicht zurückgefahren, noch nicht. Hier ist der Umsatz gleich geblieben, beziehungsweise minimal (aber nicht signifikant) zurück gegangen. Derzeit bräuchten sie laut eigener Aussagen noch viele Investitionen in der Entwicklung und Herstellung, um noch weitere adäquate Vegan-Produkte herauszubringen. Ich hoffe einfach, dass in Zukunft die Fleischproduktion deutlich und hoffentlich schnell zurück geht und die Veggie-Produkte den Platz einnehmen und nicht einfach “on top” verkauft werden, egal wie die Nachfrage des Konsumenten aussieht.  Ich hoffe dazu gibt es bald konkrete Zahlen und Pläne. Wenn sie wirklich Klimaziele verfolgen, dann muss sich das auch bald in den Zahlen widerspiegeln.

DENN:

  • Wenn wir auf der Welt mit unserer Ernährung so weiter machen wie bisher, führt dies zu einer Steigerung von 80-90% der Treibhausgase aus der Lebensmittelproduktion bis zum Jahr 2050 (Quellen hier und hier)
  • Mehr als 80% des Ackerlands wird für die Tierhaltung (für die Fleischproduktion) verwendet, aber produziert nur 18% der Kalorien und 37% für die Eiweißzufuhr, die wir auf der Welt verbrauchen (Quelle)
  • Die Lebensmittelproduktion insgesamt ist für 26% der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich und verbraucht circa 43% des nutzbaren Landes, also Landflächen, die nicht von Eis bedeckt sind oder Wüstenlandschaft sind (Quelle)
  • Ein Ergebnis zum Thema Gesundheit und Klimawandel: ‘We project that health and climate change benefits will both be greater the lower the fraction of animal-sourced foods in our diets.’ (Quelle)
  • Und wenn wir Entwaldung / Waldzerstörung limitieren wollen, was notwendig ist, um die Bio-Diversität auf der Welt zu erhalten, dann ist eine vegane Ernährung die einzig wirklich machbare Ernährungsform, um dies zu erreichen, wenn wir gleichzeitig die Weltbevölkerung ausreichend ernähren wollen (Quelle)

 

 

Ihr seht, langfristig nachhaltige, machbare und umsetzbare Wege zu finden, um die unglaublich große Weltbevölkerung zu ernähren und das Klima so weit es geht zu schonen, ist ein sehr wichtiges Thema für mich. Und ihr seht auch, dass beim Diskurs bei Rügenwalder Mühle bei mir ein Dilemma mit viel Skepsis meinerseits mitschwingt. Aber gleichzeitig will ich auch, dass Veganismus mehr im Mainstream ankommt. Wie seht ihr das und wie geht ihr damit um?

 

PS: Felix vom YouTube-Kanal Tomatolix hat eine spannende Doku zum Thema Veganismus gemacht, die ich SEHR empfehlen kann! Also schaut mal rein:

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4 Kommentare
  1. Danke für die tolle Zusammenfassung! Nach dem Schauen des langen Video-Mitschnitts und deinem Beitrag habe ich mich bewusst dafür entschieden wieder vegane Rügenwalder Produkte zu kaufen. Der Geschmack ist auch für meine Familie überzeugend und es gibt sie auch hier in der ländlichen Heimat. Aber ich hoffe auch sehr, dass das Unternehmen die ökologischen Werte noch weiter verfolgt und ausbaut.